Verdiente Wissenschaftler und Förderer ausgezeichnet
Sechs Männer und eine Frau wurden am Samstag mit der Ehrendoktorwürde der ETH Zürich geehrt, und der bekannte Unternehmer und ehemalige Politiker Ulrich Bremi wurde zum Ehrenrat ernannt.
Mit dem Ehrendoktor zeichnet die ETH Zürich ausserordentliche wissenschaftliche Arbeiten aus oder bedeutende Leistungen in Wissenschaft, Lehre, auf einem Fachgebiet oder in einer Synthese zwischen Forschung und praktischer Arbeit. Zur Ehrenrätin oder zum Ehrenrat werden Persönlichkeiten ernannt, die wissenschaftliche Arbeiten, die Hochschule oder die ETH Zürich auf wesentlichen Arbeitsgebieten gefördert hat.
Ulrich Bremi zum Ehrenrat ernannt
Die ETH Zürich ernannte Ulrich Bremi zum Ehrenrat. Als ehemaliger Stiftungsratspräsident der ETH Zürich Foundation hat der bekannte Unternehmer und Poltiker massgeblich zu deren Erfolg beigetragen. Ralph Eichler, Präsident der ETH Zürich, verwies in seiner Laudatio auf die Leistungen von Ulrich Bremi: „Es gelang ihm, hervorragende Neumitglieder im Stiftungsrat anzuwerben und dank seinem grossen Netzwerk in Politik und Wirtschaft den Kontakt zu potenziellen Donatoren zu halten und auszubauen.“ Ulrich Bremi ist es zu verdanken, dass beträchtliche Mittel für die ETH Zürich Foundation eingeworben wurden. Damit konnte neben Grossprojekten, wie der Ausstellung FOCUS TERRA, der Energie-Initiative zur Elektrizität oder der Risk-Initiative, auch der strategische Fonds für innovative Forschungsprojekte erheblich ausgebaut werden.
Erforschung von Parasitoiden und in der Mathematik
Nancy Beckage, Professorin an der Universität of California Riverside, erhielt die Ehrendoktorwürde für ihre Verdienste in der Erforschung von Parasitoiden und zur Insektenimmunologie. Die Zoologin hat auf ihrem Gebiet wissenschaftliche Pionierarbeit geleistet und damit das Verständnis über die Wechselwirkungen zwischen Schadinsekten und nützlichen Parasitoiden geprägt.
Enrico Bombieri, Professor am Institute for Advanced Study in Princeton erhielt die Ehrendoktorwürde für seine grundlegenden und inspirierenden Beiträge zur Zahlentheorie, Algebra und Analysis sowie seines grossen Einflusses auf die Mathematik weltweit. Hans-Rudolf Künsch, Professor am Departement Mathematik der ETH Zürich, hob in seiner Laudatio die Verdienste von Enrico Bombieri hervor. „Stets hat er gezeigt, dass mathematische Methoden, die für ein Problem entwickelt wurden, auch für ganz andere Fragestellungen nutzbar gemacht werden können.“ Als regelmässiger Besucher der ETH habe er etablierte und junge Forscherinnen und Forscher nachhaltig geprägt und bereichert. Rudolf Künsch betonte: „Wir freuen uns, wenn wir noch lange profitieren können von seinem Wissen, seinen profunden Einsichten und seinen Fähigkeiten, subtile mathematische Ideen klar zu vermitteln.“
Ebenfalls zum Ehrendoktor ernannt Deren Li, Professor an der -Universität Wuhan in China. Seine Forschung auf dem Gebiet der Photogrammetrie, geometrischer Satellitenfernerkundung und der geographischen Informationssysteme (GIS) haben dazu beigetragen, dass die „Wuhan-Schule“ heute weltweit das bekannteste Institut der Geomatik ist. Seine 1985 an der Universität Stuttgart fertiggestellten Dissertation wurde damals als „Lösung zu einem Jahrhunderte alten geodätischen Problem“ bezeichnet. Deren Li hat sich auch um die Ausbildung des nationalen und internationalen akademischen Nachwuchses verdient gemacht. Er setzte sich intensiv für den gegenseitigen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern der ETH Zürich und der Wuhan University ein.
Eine Persönlichkeit auf dem Gebiet der modernen Elektrotechnik und der Informationstechnologie ist Panganamala Ramana Kumar, Professor am Departement für Elektro- und Computertechnik an der University of Illinois und Inhaber des Franklin W. Woeltke Lehrstuhls. Durch seine Beiträge in Forschung und Lehre hat er die universitäre Forschung und die industrielle Praxis in verschiedenen Bereichen revolutioniert. Auf dem Gebiet der drahtlosen Übertragungstechnik gehören seine Arbeiten zu den meist zitierten auf diesem Gebiet. Panganamala R. Kumar ist einer der weltweit anerkanntesten Forscher und Lehrer in der Kommunikations- und Automatisierungstechnik. „Durch die Ernennung zum Ehrendoktor zeichnet die ETH einen Wissenschaftler aus, der die Informationstechnologie des 20. und 21. Jahrhunderts durch seine Persönlichkeit und wegweisenden Resultate unwiderruflich geprägt hat“, sagte Manfred Morari, Professor am Departement für Informationstechnologie und Elektrotechnik, in seiner Festansprache.
Führend in der Nanotechnologie und in der Architektur
Wer im Bereich der Nanotechnologie forscht, wird bald auf den Namen Herbert Gleiter stossen, den „Vater der nanokristallinen und nanostrukturierten Werkstoffe“. Der studierte Maschinenbauer und Physiker leistete massgebliche Pionierarbeit auf dem Gebiet der Nanotechnologie. Bereits Anfang der 80er-Jahre publizierte er die ersten Konzepte zur Herstellung von nanokristallinen Materialien. Darüber hinaus ist Herbert Gleiter ist Gründer zweier weltweit bekannter Materialinstitute: Das „Institut für neue Materialien“ in Saarbrücken und das „Institut für Nanotechnologie“ in Karlsruhe. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeiten und seines Einflusses auf die heute etablierte Nanotechnologie zeichnete die ETH ihn heute mit der Ehrendoktorwürde aus.
Der Architekt Luigi Snozzi zählt seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Architekten der Schweiz. Seine Restrukturierung des Tessiner Dorfes Monte Carasso wurde weit über die Schweiz hinaus beachtet. Dieses Beispiel ländlicher Architektur mit hohem Zukunftspotenzial ist Snozzis Antwort auf die Probleme und Aufgaben der nachindustriellen Architektur. Der studierte ETH-Architekt hat seine Arbeit schon früh bewusst und ohne Kompromisse in den Dienst der Menschen und der Gesellschaft gestellt. Andreas Tönnesmann, Leiter des Departements Architektur, beschrieb Luigi Snozzi auch als Vorbild im Umgang: „Studierenden der Architektur gilt er bis heute nicht nur als inspirierender Lehrer von grösster intellektueller und persönlicher Ausstrahlung, sondern auch als menschliches Vorbild mit hoher moralischer Integrität, uneitler Gesprächsbereitschaft und entwaffnendem Humor.“
Andries van Dam, Thomas J. Watson Universitäts Professor für Technologie und Bildungswesen und Professor für Informatik an der Brown University, erhält die Ehrendoktorwürde für seine fundamentalen Beiträge zu Erforschung und Entwicklung von graphisch-interaktiven Benutzungsoberflächen sowie aufgrund seiner Leistungen zum Aufbau und zur Förderung der Graphischen Datenverarbeitung als Teilgebiet der Informatik. Seit über 40 Jahren ist er einer der Forscher, der dieses Forschungsgebiet geformt und mitgestaltet hat. Das System der „Bildschirmfenster“, mit dem jeder Computer-Nutzer heute arbeitet, lässt sich auf ihn zurückführen. Als Forscher und Lehrer ist er ein Vorbild für junge Studierende und hat immer wieder Studierende für die Computergrafik begeistert. Andries van Dam ist eine führende Autorität in den Computerwissenschaften und hat sich um das gesamte Forschungsfeld verdient gemacht.
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