Veröffentlicht: 21.10.08
Medida-Prix für E-Learning-Projekt

Ausgezeichnete Lernpakete

Mit dem zweiten Platz bei der Vergabe des mediendidaktischen Hochschulpreises "Medida-Prix" ist das E-Learning-Projekt GITTA geehrt worden. Der E-Learning Lektionenpool über Geoinformation, an dem zehn schweizerische Partnerinstitutionen beteiligt waren, folgt den Open Educational Resource Initiatives. Das hat die Jury überzeugt.

Peter Rüegg
Die Verantwortlichen von GITTA nehmen an der Verleihung des Medida-Prix die Auszeichnung entgegen. (Bild: medida-prix)
Die Verantwortlichen von GITTA nehmen an der Verleihung des Medida-Prix die Auszeichnung entgegen. (Bild: medida-prix) (Galerie)

GITTA ist die einprägsame Abkürzung von "Geographic Information Training Technology Alliance“. Dabei handelt es sich um einen E-Learning-Lektionenpool, der zwischen 2001 und 2008 von zehn verschiedenen Schweizer Partnerorganisationen unter der Federführung der Professur von Robert Weibel von der Universität Zürich entwickelt wurde. Beteiligt waren auch die beiden ETH und mehrere Universitäten und Fachhochschulen. Diese langjährigen Bemühungen haben sich nun bezahlt gemacht. Mitte September wurden die Projektverantwortlichen bei der Verleihung des Medida-Prix in Wien mit einem Preisgeld von 25'000 Euro ausgezeichnet.

Umgang mit Geodaten immer wichtiger

GITTA wurde entwickelt, um das vorhandene Wissen im Bereich der Geoinformation zu bündeln und in einem virtuellen Ausbildungsgefäss einzubinden. Geografische Daten, sagt Projektmitarbeiterin Monika Niederhuber von der Professur Land Use Engineering der ETH, seien heute allgegenwärtig. In jedem Navigationsgerät stecken Berge von geografischen Informationen, die verarbeitet und dargestellt werden müssten.

Entsprechend der grossen Bedeutung, die diese Daten heute haben, gibt es in der Schweiz zahlreiche Lehrgänge für dieses Fachgebiet. Die Lerninhalte von GITTA sollen nun die Lehrangebote der Partnerinstitutionen unterstützen und bis zu einem gewissen Grad vereinheitlichen.

Fallstudien von ETH erarbeitet

Die über 40 Lektionen befassen sich beispielsweise mit dem Umgang und der Verarbeitung von geografischen Daten, der Arbeit mit Datenbanken, der Analyse und Modellierung von Geodaten, oder der Datenaufbereitung und -darstellung mittels Geografischen Informationssystemen (GIS). Integriert sind interaktive Elemente, Übungen und Gruppenarbeiten, mit denen die Studierenden überprüfen können, ob sie den Lernstoff umsetzen können. Die Gruppe von ETH-Professor Hans Rudolf Heinimann, der Monika Niederhuber angehört, erarbeitete mehrere Fallstudien aus der Praxis, die den Stoff der Lernmodule aufgreifen und problemlösungsorientiertes Denken und Arbeiten fördern.

Die Lektionen sind mehrsprachig, in der Regel englisch oder deutsch, einige sind auch auf Französisch erhältlich. Den Lernenden stehen die zwei Stufen „Basic“ und „Intermediate“ zur Verfügung.

Neue Programmiersprache

Ein besonderes Merkmal von GITTA ist der Open Access und Open Content-Gedanke, der konsequent durchgezogen wurde. So kann jedermann das Produkt für den Eigengebrauch kostenlos verwenden, allerdings nicht ohne vorgängige Registrierung. „Wir wollen trotz allem den Überblick haben, wer das Produkt nutzt“, erklärt die Geografin. Derzeit nutzen pro Jahr rund 600 Studierende die GITTA-Lektionen.

GITTA basiert auf einem eigens für dieses Projekt entwickelten Quellcode, der sogenannten eLesson Markup Language „eLML“, die auf der weit verbreiteten Sprache XML aufbaut und die besondere didaktische Struktur der Lektionen umsetzt. eLML steht als Open Source Produkt unter SourceForge.net interessierten Anwendern ebenfalls kostenlos zur Verfügung.

Einsatz in Varianten

Die Lerninhalte lassen sich von Nutzern jederzeit adaptieren, allerdings nur wenn sie über entsprechende Rechte verfügen, die nur Nutzern mit ausreichend GIS Erfahrung erteilt werden. „Damit wollen wir sicherstellen, dass GITTA eine hohe Qualität beibehält“, sagt Niederhuber.

Die GITTA-Partner haben sich dazu verpflichtet, die Lektionen in der Lehre einzusetzen. An der ETH etwa arbeiten Umweltstudierende im 3. Bachelorjahr, die den GIS-Kurs besuchen, mit GITTA-Materialien, insbesondere mit den Fallstudien.

Förderverein führt Unterhalt weiter

Damit GITTA weiterläuft, gründeten die Beteiligten 2006 einen Förderverein. Dieser sorgt für Unterhalt und Weiterbestehen des Tools. Jeder Partner habe sich bereit erklärt, einen Tag pro Monat für den Unterhalt des Projektes zur Verfügung zu stellen. „Das ist eine gute Grundlage für den Erhalt von GITTA“, freut sich Monika Niederhuber.

Ein weiteres Ziel des Vereins sei es, mehr Werbung für GITTA zu machen, um dessen Verbreitung über die Landesgrenzen hinaus zu fördern, insbesondere nach Osteuropa und Lateinamerika. So zeigt die Universität Sofia, Bulgarien, grosses Interesse an den GITTA-Lektionen.

Flexibel und hoch strukturiert

Koni Osterwalder, Leiter des Network for Educational Technology der ETH, ist ob der Nachhaltigkeit des GITTA-Projekts beeindruckt. Diese sei gegeben durch die gute Integration in verschiedene Curricula und die Gründung des Fördervereines, welcher die Entwicklung und Stossrichtung koordiniere. "GITTA hält Inhalte in einem strukturierten XML Format, das in beliebige Lernplattformen exportiert werden kann", streicht Osterwalder hervor. Genau diese Flexibilität bei gleichzeitig hoher Strukturierung zeichne GITTA aus. Den Förderverein hält er für "ausserordentlich wichtig", die Struktur sei aber noch nicht vollumfänglich gefestigt. "Ich hoffe, dass der Verein einen guten Zulauf an Aktiven und Sponsoren haben wird, um schnell eine kritische Masse zur langfristigen Weiterentwicklung zu erreichen."

Medida-Prix

Der mediendidaktische Hochschulpreis „Medida-Prix“ ist mit einer Gesamtsumme von 100'000 Euro dotiert und wird seit dem Jahr 2000 vergeben. Der Preis versteht sich als „Impulsgeber für eine innovative und nachhaltige Implementierung digitaler Medien in der Hochschullehre“. Bereits in früheren Jahren war ein ETH-Projekt erfolgreich. Die Virtual Excursion aus der Gruppe von Geobotanikprofessor Matthias Baltisberger gewann 2004 ebenfalls einen Förderpreis des Medida-Prix (ETH Life berichtete).

 
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