Veröffentlicht: 21.10.08
Science City

„Architekturikone“ auf dem Hönggerberg eröffnet

Das jüngste Gebäude der Science City ist offiziell eröffnet. Der ETH-Alumnus Branco Weiss erzählte an der Feier, wie er dazu kam, den Bau mit 23 Millionen Franken zu unterstützen.

Niklaus Salzmann
Branco Weiss (links) mit Gerhard Schmitt vor den Bildschirmen des Value Labs (Bild: Stéphanie Couson)
Branco Weiss (links) mit Gerhard Schmitt vor den Bildschirmen des Value Labs (Bild: Stéphanie Couson) (Galerie)

ETH-intern wird das neue Gebäude schlicht „HIT“ genannt, der komplette Name lautet „Branco Weiss Information Science Laboratory“, und Branco Weiss bezeichnet es als eine Architekturikone. Am Freitag, 17. Oktober wurde das Gebäude auf dem Hönggerberg offiziell eröffnet. Branco Weiss, der 23 Millionen Franken für den Bau gespendet hat und selber an der ETH Chemieingenieur studiert hatte, hielt an der Eröffnungsfeier eine Ansprache.
2002 habe er mit Olaf Kübler, dem damaligen Präsidenten der ETH, zu Mittag gegessen, erzählte Weiss in seiner Rede. „Kübler hat vor sich hingemurmelt: ‚Science City…‘. Das ist das einzige, an was ich mich noch erinnere.“ Bald darauf habe ihm Gerhard Schmitt, in dieser Zeit Vizepräsident für Planung und Logistik, gesagt, die Priorität in Science City liege auf dem HIT-Gebäude. Weiss habe gefragt: „Gibt es dafür einen Kostenvoranschlag?“ Schmitt nannte eine Zahl, und Weiss sagte: „Ich übernehme die Hälfte.“ Schmitt habe seinen Ohren nicht getraut.
Nun durfte Schmitt, der selber Architekt ist, das Gebäude eröffnen. Besonders erwähnte er das Energiekonzept des Hauses. Sensoren reagieren auf Witterung und Sonnenstand. Die Balkone sind je nach Himmelsrichtung unterschiedlich tief und dienen so auch als Sonnenschutz. Hinter dem Konzept steht das Architekturbüro Baumschlager&Eberle, welches den Wettbewerb um den Auftrag für sich entschieden hatte.

Bildschirme statt Flipcharts

Eröffnet wurde auch das „Value Lab“, welches in das Gebäude integriert ist. Es sei „ein besonderer Raum in einem besonderen Gebäude“, sagte Schmitt. In der Tat entspricht dieser Seminarraum nicht den gängigen Vorstellungen. So fehlen Wandtafeln oder Flipcharts. Stattdessen hängen drei entsprechend grosse Bildschirme an der Wand. Am Freitag zierte zusätzlich ein hellblaues Stoffband die Bildschirme – Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach schnitt es durch und eröffnete damit symbolisch den Raum.
Projektmanager Remo Burkhard erklärte: „Gestartet hat das Projekt mit dem Wunsch, einen Hörsaal der Zukunft zu bauen.“ Ein solcher habe nach wie vor eine Wand, an der man zeichnen könne, und einen Tisch, an dem man arbeiten könne – aber beides digital. So ist denn auch der Tisch im Value Lab keine gewöhnliche Arbeitsfläche, sondern besteht aus zwei weiteren Grossbildschirmen.
Einer der Bildschirme zeigt Singapur auf einer Karte von Google Maps. Kein Zufall, denn in Singapur hat Burkhard Partner, mit denen er im Value Lab per Videokonferenz zusammenarbeiten könnte. Um auf dem Bildschirm ein anderes Land anzuzeigen, reicht es, mit dem Finger leicht darüber zu streichen, und schon dreht sich die digitale Weltkugel – es sind Touchscreens.
Finanziert wurde das Value Lab von der Baugarten-Stiftung. Es ist digital vernetzt mit dem Siemens-Auditorium im selben Gebäude, welches wiederum von der Werner-Siemens-Stiftung finanziert wurde. Von den 65 Millionen Franken, welche der Bau des gesamten Gebäudes kostete, waren vierzig Prozent Drittmittel.

„Es geht erst richtig los“

In den Räumen sollen neue Arbeitsweisen entstehen, sagte Gerhard Schmitt, der das Projekt Value Lab geleitet hat. Bisher haben die Institute für theoretische Physik und Astronomie Räume im neuen Gebäude bezogen. „Wir haben mit diesem Bauwerk einen Punkt gesetzt“, sagte Schmitt. Es sei aber kein Schlusspunkt, „es geht erst richtig los.“ Die Science City auf dem Hönggerberg wird weiter wachsen.

 
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