Kreationismus: Klare Haltung gegen Missionierung

Kreationisten werden nicht müde zu beteuern, es gehe darum, an unseren Schulen "beide Seiten" der Debatte zur Entstehung des Universums und des Lebens zu behandeln – die rein wissenschaftliche und die teils religiös motivierte Sicht, weil die Datenlage kein eindeutiges Urteil zuliesse.

Gerade die Vertreter des YEC (Young Earth Creationism) verschweigen, dass sie nicht wegen der vorliegenden naturwissenschaftlichen Daten, sondern trotz dieser Daten an ihrem antiken Weltbild festhalten und zwar ausschliesslich, weil die Anerkennung der vorliegenden Daten ihr religiöses Weltbild gefährden würde, zu dessen wichtigsten Prämissen die folgenden zählen:

- die Bibel wurde von Gott inspiriert und ist absolut zuverlässig (diese Prämisse wird natürlich nur primär von christlichen Vertretern des YEC gestützt).
- das Universum und alles Leben wurde vor sechs- bis maximal zehntausend Jahren erschaffen.
- der Mensch wurde von Gott als spezielle Schöpfung zu dessen Ebenbild geschaffen.
- bereits das erste Menschenpaar – Adam und Eva – hat sich Gottes Gebot widersetzt ("Sündenfall").
- alle Menschen stammen vom ersten Menschenpaar ab und haben die Sünde buchstäblich von ihnen geerbt, werden somit als Sünder geboren.
- Jesus kam als von Gottes Sohn zur Welt und starb für unsere Sünden am Kreuz – die Jungfrauenzeugung ist dazu unerlässlich, denn nur so kann Jesus von der Erbsünde ausgenommen und selber sündlos sein.
- seine leibliche Auferstehung und Himmelfahrt, seine künftige Wiederkunft, sein Gericht und eine neue, ewig währende "Welt" garantiert den Gläubigen ewiges Leben, den Ungläubigen ewige Höllenpein

Wo bliebe da Platz für eine Erbsünde, wenn wir nicht alle von einem Menschenpaar abstammen würden; wie soll das Konzept der Sünde aufrechterhalten werden, wenn wir von tierischen Vorfahren abstammen; wie sollen wir an einen vertrauenswürdigen Gott glauben, der uns solche Fakten verschweigt? – kurzum: die Bibel hat Gottes Wort zu bleiben und alle Daten, die nicht dazu passen, müssen von YEC-Kreationisten geflissentlich ignoriert werden (Kreationisten, die verstanden haben, dass die vorliegenden Daten keine junge Erde zulassen, versuchen, Wissenschaft und Religion zu harmonisieren, was nicht ohne Abstriche seitens der Religion möglich ist).

Religiöse Ideen, wie die oben aufgelisteten, werden mit solch einer Leidenschaft vertreten und gehen bei vielen ihrer Anhänger so sehr "in Fleisch und Blut" über, dass eine vollständige Immunisierung gegenüber jeglicher wissenschaftlicher Denkweise oder Diskussion die Folge ist.

Um das offensichtlich Absurde vieler ihrer religiösen Überzeugungen nicht in die Debatte einbringen zu müssen, wurde "Intelligent Design" von Anfang an auch von den YEC-Anhängern enthusiastisch aufgenommen – kann sich mit "ID" die Religion doch viel erfolgreicher den Mantel der Wissenschaftlichkeit umhängen, als wenn sie offen mit "wissenschaftlichen" Daten operieren müsste, die seit hundertfünfzig und teils noch mehr Jahren widerlegt sind.

Die deutlichen Statements Herrn Professor Schmid-Hempels schienen den einen oder anderen Kommentator/innen zu hart oder einseitig, doch gegen die Bemühungen, unsere Schulen zum Missionsfeld umzufunktionieren, ist eine klare Haltung unerlässlich.

Daniel Oberer - 11.10.09

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