Veröffentlicht: 08.08.08
Pervasive Computing

Stopp dem Zimmerpflanzensterben

Die Dürre in der guten Stube hat ein Ende. Mit Sensorknoten, Handy und Emotionen soll der Mensch dazu angehalten werden, seinen Zimmerpflanzen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Saskia Wegmann
Sensoren im Blumentopf melden dem Besitzer auf sein Handy, dass die Pflanze Hitzestress hat (kl. Bild l.o.). (Bilder: Distributed Systems Group)
Sensoren im Blumentopf melden dem Besitzer auf sein Handy, dass die Pflanze Hitzestress hat (kl. Bild l.o.). (Bilder: Distributed Systems Group) (Galerie)

Angefangen hat alles mit dem Kauf neuer Pflanzen für das Büro. Damit sie nicht das gleiche Schicksal ereilt wie ihre Vorgänger, sinnierten Benedikt Ostermaier und Philipp Bolliger vom Institut für Pervasive Computing über Möglichkeiten, die Pflanzen mitteilen zu lassen, wenn es ihnen nicht gut geht. Dieses Brainstorming liegt beinahe zwei Jahre zurück und war die Geburt des Projekts „Koubachi“.

Zusammen mit drei Studenten entwickelten die beiden ein System, das den gegenwärtigen Zustand von Zimmerpflanzen dem Besitzer per Handy zugänglich machen kann. Die Pflanze meldet sich, wenn sie zuwenig oder zuviel gewässert wurde oder wenn sie langsam in der prallen Sonne vertrocknet. „Koubachi“ soll den Pflanzenbesitzer emotional ansprechen, der ruhig auch ein schlechtes Gewissen kriegen soll, wenn sich die Pflanze bei ihm meldet.

Ficus elastica Ralf auf dem Handy Display

Über ein Handy-Widget, ein Programm, das Informationen grafisch ansprechend darstellt, meldet sich die Pflanze bei ihrem Besitzer. Je nach Zustand der Pflanze erscheint sie mit einem lachenden oder einem traurigen Smiley-Icon auf dem Display. Benötigt die Pflanze Wasser, lässt sie die Zunge heraushängen, ist die Raumtemperatur zu heiss, zeigt das ein Thermometersymbol an und wenn die Pflanze übermässig gewässert wurde, so schwimmt das Icon mit einem Schnorchel unter Wasser.

„Der Mensch soll eine emotionale Beziehung zu seinen Pflanzen aufbauen, er soll sensibilisiert werden für ihre Bedürfnisse. Wir denken, dass das mit emotionalen Symbolen am besten funktioniert“, erklärt Benedikt Ostermaier. Um die Bindung zwischen Mensch und Pflanze noch zu verstärken, kann man den Pflanzen sogar Namen geben.

Kleincomputer vermitteln zwischen Pflanze und Mensch

Um Informationen an das Handy weiterzuleiten, werden Zimmerpflanzen mit batteriebetriebenen Kleincomputern, sogenannten Sensorknoten, ausgerüstet. Mit diesen Sensorknoten sind insgesamt vier Sensoren verbunden, die die Raumtemperatur, die Luftfeuchtigkeit, die Feuchte der Pflanzenerde und die Lichtintensität messen. Die gemessenen Werte werden an den Sensorknoten übermittelt, welcher die Messdaten umrechnet und diese drahtlos ans Handy weiterleitet.

Klickt man auf die Pflanze, die auf dem Handy-Display erscheint, sind die detaillierten Informationen sichtbar. Der Besitzer weiss so, was seiner Pflanze fehlt und kann gezielt einschreiten, indem er das Fenster öffnet oder der Pflanze Wasser gibt.

Koubachi bald zum Verkauf im Gartencenter?

Verschiedene Personen haben Teile des Prototyps bereits getestet. Die Reaktionen auf „Koubachi“ waren durchaus positiv und über ihre Homepage werden die zwei Wissenschaftler immer wieder angefragt, wo es das Pflanzenüberwachungssystem denn zu kaufen gäbe. Kurzfristig ist noch keine Vermarktung geplant – Philipp Bolliger verbringt einen Forschungsaufenthalt in den USA und auch Benedikt Ostermaier ist mit anderen Forschungsprojekten ausgelastet.

Eine Markteinführung von „Koubachi“ schliessen die beiden aber nicht aus. Zuerst müssen die beiden Forscher das System allerdings noch optimieren. Wie visualisiert man beispielsweise zu trockene oder zu feuchte Luft? Diese Fragen wollen sie zusammen mit Studenten klären und umsetzen.

 
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