Mädchen in den Wolken
Am Experimentiertag mit Meteorologinnen der ETH Zürich lernten die jungen Teilnehmerinnen einiges über Physik und Wetterphänomene. Manch eine hat nun Lust bekommen, später genau zu erforschen, was Aerosole in der Luft bewirken.
Rund 24 Mädchen drängen sich in die Eingangshalle des CHN-Gebäudes. Die meisten sind in Begleitung eines Elternteils gekommen. Darunter sind auffallend viele Väter. Nachdem die jungen Teilnehmerinnen von den beiden Veranstalterinnen Eva Krähenbühl und Carla Zingg begrüsst worden sind, verabschieden sich die Eltern und lassen ihre Mädchen in der Obhut der Organisatorinnen und den zahlreichen Helferinnen.
Bereits
zum zweiten Mal findet der Experimentiertag für Mädchen mit den
Wetterforscherinnen der ETH Zürich statt. Organisiert wird er von "Equal!", der
Stelle für Chancengleichheit von Mann und Frau der ETH Zürich und der
Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich für den FerienSpasses von
Pro Juventute.
Das
Ziel ist, die Mädchen auf spielerische Art und Weise in Kontakt mit
Fachrichtungen zu bringen, die sonst eher von Männern dominiert sind und in
denen weibliche Vorbilder fehlen.
Die Mädchen wirken noch etwas scheu, die meisten kennen sich nicht. Die elfjährige Alessandra erzählt, dass sie selbst auf den Experimentiertag aufmerksam geworden sei und unbedingt daran teilnehmen wollte. Die gleichaltrige Laura dagegen wurde von ihrem Vater, der an der ETH arbeitet, für den Tag angemeldet.
Nach wie vor viel weniger Studentinnen
„An der ETH Zürich kommen auf 10 Studenten nur 3 Studentinnen. Zudem ist der Frauenanteil sehr unregelmässig verteilt. Im Departement für Unweltwissenschaften sind die Frauen relativ gut vertreten, während in den Studienrichtungen Physik oder Elektrotechnik Studentinnen nach wie vor stark untervertreten sind“, erklärt Carla Zingg von Equal! den Mädchen.
Weibliche Vorbilder gibt es am Experimentiertag reichlich zu sehen. Um den Mädchen einen Einblick in die Materie zu geben, finden vor den ersehnten ersten Experimenten zwei kurze Vorträge statt. Eszter Barthazy Meier, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Elektronenmikroskopie, versucht, mit Hilfe von sehr vielen Reiskörnern grosse Zahlen für die Mädchen fassbarer zu machen. Und Ulrike Lohmann, Professorin für Atmosphärenphysik, vermittelt den erstaunten Mädchen anschliessend, wie winzig klein die Aerosolpartikel sind, aus denen der sichtbare Feinstaub entsteht.
Wolken basteln und Aerosolpartikel messen
Nach dem theoretischen Teil wird die Veranstaltung ihrem Namen gerecht. Unter der Anleitung von Studentinnen führen die Mädchen verschiedene Experimente durch. Unter anderem gilt es, eine grosse Petflasche mit warmem Wasser zu füllen, kräftig zu schütteln und das Wasser anschliessend wieder auszuleeren, damit in der Flasche Wasserdampf entsteht. Die Mädchen werfen dann ein brennendes Streichholz in die Flasche, verschliessen den Deckel und drücken kräftig auf die Flasche, damit sich der Druck und die Temperatur erhöht. Auf das Kommando der zwei Betreuerinnen lassen sie die Flasche los. Die Teilchen bewegen sich nun freier und entweichen als Wolke aus der Flasche, wenn man sie öffnet. „Ich habe die Wolke gesehen!“ freut sich Alessandra und würde das Experiment gerne wiederholen, um eine noch grössere Wolke zu produzieren.
Allerdings warten bereits die nächsten Mädchen und Alessandra stösst mit ihrer Gruppe zu Eszter Barthazy, die mit einem Kondensationspartikelzähler die Anzahl der Aerosole in Zigarettenrauch misst. Auf dem Computerbildschirm entsteht ein kompliziertes Diagramm. Es zeigt an, dass Zigarettenrauch pro Kubikzentimeter sieben Millionen Aerosolpartikel enthält, welche vor allem aus Russ bestehen. Wenn diese Partikel in die Lungen und von dort sogar in die Blutbahn gelangen, sind sie hochgradig krebserregend. „Jetzt gewöhne ich meiner Tante das Rauchen ab“, sagt Laura spontan.
Begeisterung weitergeben
Die Mädchen werden von Experiment zu Experiment wacher und interessierter. Sie stellen viele Fragen, welche die Studentinnen Linda Schlemmer und Tanja Dallafior ausführlich beantworten. Sie zeigen den Mädchen, wie man Regen macht und erklären Alessandra und Laura ausführlich, weshalb genau Wolken entstehen und wieso Donner immer so laut kracht. Linda Schlemmer ist eine an der ETH Zürich seltene Erscheinung: sie doktoriert in Physik. Tanja Dallafior studiert im vierten Semester Umwelt- und Naturwissenschaften und ist seit der Primarschulzeit vom Wetter fasziniert. Sie hofft, den Mädchen etwas von ihrer Begeisterung weitergeben zu können.
Das funktioniert anscheinend. Laura, die vor zwei Stunden noch erzählt hat, dass sie keine Ahnung habe, was sie später einmal werden wolle, kann sich nun gut vorstellen, später das Wetter genauer zu erforschen. Auch Alessandra findet die Experimente extrem spannend und würde gerne mit einem richtigen Psychrometer die Luftfeuchtigkeit messen. Die beiden verstehen sich blendend - dabei kennen sie sich erst ein paar Stunden. „Der Tag war megalässig, ich habe sehr viel gelernt über komplizierte Sachen und die anderen Mädchen sind sehr nett!“, sagt Alessandra und tauscht gleich ihre Adresse mit Laura.
- 24.07.08: Mädchen und Jungen fördern
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