Veröffentlicht: 03.07.08
Schweizer Innovationspark

„Ein Innovationspark bietet interessante Einstiegsmöglichkeiten.“

Auf dem heute noch militärisch genutzten Flugplatz Dübendorf könnte in Zukunft ein internationaler Innovationspark errichtet werden. Dort würden Hochschulen und privatwirtschaftliche Unternehmen gemeinsamen forschen. Seit rund einem Jahr begleitet der Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement an der ETH Zürich das Projekt. ETH Life sprach mit dem Leiter, Roman Boutellier.

Thomas Langholz
Roman Boutellier erforscht mit seinem Team die Erfolgsfaktoren für einen Science Park – weltweit und in Dübendorf.
Roman Boutellier erforscht mit seinem Team die Erfolgsfaktoren für einen Science Park – weltweit und in Dübendorf. (Galerie)

Herr Boutellier, wie unterscheidet sich die Idee eines internationalen Innovationsparks von anderen, schon bestehenden Zentren wie etwa dem Technopark Zürich, der ETH Science City oder dem CERN bei Genf?

Das Areal in Dübendorf ist weit grösser als die genannten Einrichtungen, und es sind viel mehr Parteien involviert. In Dübendorf geht es nicht nur um einen Standort für den Transfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, sondern es soll vielmehr ein ganz neuer Stadtteil mit Wohnungen, Freizeiteinrichtungen und Verkehrsinfrastruktur entstehen. Neben der Wirtschaft und den Universitäten sind deshalb auch die politischen Behörden und die Entscheidungsträger beim Bund, dem Kanton und den Gemeinden viel stärker eingebunden.

Im vergangenen Jahr haben Sie und ihr Team eine Benchmarkstudie von weltweit erfolgreichen Innovationsparks erstellt. Welche Faktoren erwiesen sich als besonders wichtig für den Erfolg eines Science Parks?

International erfolgreiche Forschungszentren wie der Cambridge Science Park, der Technologiestadtteil Berlin-Adlershof oder der MIT-Campus zeichnen sich durch zwei Schlüsselfaktoren aus: Erstens die Anwesenheit von grossen internationalen Unternehmen und zweitens die unmittelbare Nähe zu renommierten Universitäten. Zurzeit untersuchen wir diverse Science Parks in Ost-Asien, etwa in Shanghai. Dabei gelangen wir je länger je mehr zur Überzeugung, dass auch die politische Unterstützung von entscheidender Bedeutung ist: Firmen wollen rasch handeln können, deshalb ist es wichtig, dass eine Baubewilligung schnell erteilt werden kann.

Welche Ergebnisse der Benchmarkanalyse haben Sie überrascht?

Der Zeitfaktor hat uns überrascht. Ursprünglich gingen wir davon aus, dass der Aufbau eines Innovationsparks mehrere Jahre beansprucht, heute gehen wir von zwei bis drei Jahrzehnten aus. Die weltweit erfolgreichen Innovationsparks haben langsam gestartet und wuchsen erst nach einiger Zeit schneller. Ebenfalls korrigiert haben wir die Annahme, dass die Nähe zu Universitäten prioritär ist. Diese ist zwar auch wichtig, noch viel entscheidender ist jedoch die tatsächliche Bereitschaft von internationalen Unternehmen, vor Ort eine Tochterfirma zu gründen oder ein F+E-Team anzusiedeln.

Derzeit arbeitet Ihr Team an einer Vertiefungsstudie für den Innovationspark in Dübendorf. Was haben Sie bisher herausgefunden?

In der Benchmarkstudie hat sich gezeigt, dass ein Innovationspark einen Themenschwerpunkt braucht, zum Beispiel Software-Entwicklung, Life Sciences oder Medizinaltechnik. Die Vertiefungsstudie befasst sich mit der Frage, welches die Themen für Dübendorf sein könnten. Ausserdem wollen wir noch besser verstehen, was Firmen dazu bewegt, sich für einen Standort zu entscheiden, welche Details ausschlaggebend sind.

Wie gehen Sie jetzt vor?

Mehrere laufende Diplomarbeiten befassen sich mit Science Parks in Ost-Asien. Diese Arbeiten werden von Chinesen geschrieben, die an der ETH studieren und vor Ort recherchieren. Ausserdem führen wir Dutzende von Interviews mit Vertretern aus Industrie, Dienstleistungsunternehmen und dem Finanzsektor, um herauszufinden, welche Themenschwerpunkte für einen Schweizer Innovationspark Sinn machen, und welche konkreten Voraussetzungen der Standort Dübendorf erfüllen muss.

Könnten auch Institute der ETH an einem Forschungsstandort Dübendorf ansässig werden?

Aus dem ETH-Bereich sind heute schon die Empa und die Eawag in Dübendorf angesiedelt. Wir fragen uns, wie lange die bestehenden Standorte für die weitere Entwicklung der ETH noch reichen werden, insbesondere der Hönggerberg. Die ETH wird erst etwas Neues starten, wenn die heutigen Standorte gefüllt sind. Denkbar ist aber, dass zusammen mit der Industrie ein gemeinsamer Infrastrukturstandort aufbaut wird. Dies passiert im Moment mit der IBM, die zusammen mit der ETH ein Nanotech-Forschungszentrum baut. Dies ist eine sehr teure Investition, ein Alleingang macht keinen Sinn.

Welche ETH-Institute könnten konkret am Standort Dübendorf ansiedeln?

Traditionell sind die Universitäten mit den Fakultäten eher auf Vertiefung ausgerichtet, weniger auf den Wissenstransfer. Ein Innovationspark ist ein „Melting Pot“, wo interdisziplinäre Ansätze Platz finden. Es sind vor allem die neuen interdisziplinären Forschungsschwerpunkte für die ein Innovationspark besonders interessant ist, etwa der Gesundheits-Bereich. Die ETH arbeitet bereits heute mit der Universität Zürich und dem Universitätsspital eng zusammen.

Wenn sich die ETH dereinst auch in Dübendorf ansiedeln würde, wäre dies ein interessanter Standort auch für Ihr Departement?

Unser Department liegt mit dem Standort am Kreuzplatz sehr zentral, und natürlich schätzen es die Mitarbeitenden im Zentrum von Zürich arbeiten zu können. Aber ein Standort Dübendorf wäre immerhin attraktiver als der Hönggerberg, denn von Dübendorf erreicht man in wenigen Minuten den Hauptbahnhof Zürich.

Wie würden die Studierenden der ETH von einen Schweizer Innovationspark profitieren?

Ein Innovationspark mit internationaler Ausstrahlung bietet interessante Einstiegsmöglichkeiten: Viele Studienabgänger schätzen es, wenn der erste Arbeitgeber mit der Universität verbunden ist. Eine gemeinsame Forschungseinrichtung von Wirtschaft und Hochschule ist ein attraktiver Zwischenschritt, bevor man eine Karriere in der Wirtschaft startet. In Dübendorf sollen solche Arbeitsplätze entstehen.

Innovationspark in Dübendorf

Auftraggeber der ETH-Studien zu einem Innovationspark in Dübendorf ist der Verein Machbarkeit Stiftung Forschung Schweiz. Er setzt sich dafür ein, dass der Bund das Flugplatzareal in eine Stiftung überführt. Diese Stiftung soll das Areal gewinnbringend und zugunsten des Forschungsstandortes Schweiz umnutzen. Der Bundesrat hat sich in einem Bericht vom 14. März 2008 positiv zu dieser Idee geäussert. Die Standortgemeinden des Flugplatzes haben sich bereits zugunsten eines Innovationsparks ausgesprochen. Bis Ende Jahr will die Zürcher Regierung die möglichen künftigen Nutzungen des Flugplatzareals evaluieren und eine raumplanerischen Test durchführen.

Stimmen aus der ETH

Ende März 2008 wurde die Bevölkerung der Region Glattal an einem Informationsanlass bei der Empa in Dübendorf über das Projekt für einen Schweizer Innovationspark informiert. Im Rahmen des Anlasses äusserte sich Ralph Eichler, Präsident der ETH Zürich, überzeugt von der Idee: „Wir haben ein grosses Interesse, unsere Innovationen für die Gesellschaft nutzbar zu machen, deshalb treiben wir die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft aktiv voran.“ Und auch Louis Schlapbach, Direktor der Empa, will die Nähe zur Industrie fördern: „Hauptrolle der Empa ist es, eine Brücke zu bilden zwischen neuen Grundlagen, Phänomenen und Materialen und einer möglichen Anwendung. Wir betreiben keine Grundlagenforschung, ohne daran zu denken, wie diese auch für die Wirtschaft relevant sein könnte.“

 
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