Veröffentlicht: 14.05.08
Lokaltermin

Informationen aus erster Hand

Ralph Eichler, Präsident der ETH Zürich, und die ETH Zürich Foundation hatten Wirtschaftsvertreter, Donatoren und Politiker zu einem ersten Lokaltermin in das Maschinenlabor der ETH geladen. Dort erhielten die Teilnehmer Informationen zur neuen Energiestrategie der ETH.

Thomas Langholz
"Mit einfachen Slogans lässt sich das Klimaproblem nicht lösen", Ralph Eichler, Präsident der ETH. (Galerie)

Rund 100 ausgewählte Vertreter aus Wirtschaft, Politik und aus dem Kreis der Donatoren folgten der Einladung von Ralph Eichler, Präsident der ETH Zürich, und der ETH Zürich Foundation. Ralph Eichler informierte die Gäste persönlich über die neue Energiestrategie der ETH Zürich. „Mit einfachen Slogans lässt sich das Klimaproblem nicht lösen, es ist viel zu komplex und erfordert differenzierte Betrachtungsweisen. Die ETH ist an umfassenden und nachhaltigen Lösungen interessiert“, betonte der Präsident in seiner Rede. Begriffe wie die 2000-Watt- oder die 1-Tonne-CO2-Gesellschaft seien nur Metaphern, um sich dem Thema anzunähern. Ziel der neuen Strategie sei es, die Klimathematik weltweit zu betrachten. Die zentrale Betrachtungsweise der ETH umfasst dabei die weltweiten Bedürfnisse und Ziele zum Thema Klima. Dies seien vor allem Mobilität, Gebäude und Materialien. Entwickelt hat die Strategie das Energy Science Center (ESC).

Antworten auf die globale Klimafrage

In diesem Kompetenzzentrum arbeiten 40 Professore interdisziplinär an Antworten auf die globale Klimafrage. Auf die Frage „Wie wollen wir das Jahrhundertziel eines CO2-Ausstosses von einer Tonne pro Kopf und Jahr erreichen?", ging Konstantinos Boulouchos, Professor und Leiter des Labors für Aerothermochemie und Verbrennungssystem und Mitentwickler der Strategie, gezielt ein. In seinem Referat verdeutlichte er anschaulich, dass sich das Thema Energie immer im Spannungsfeld „menschliche Bedürfnisse“, „Ressourcen“ und „intakte Umwelt“ bewegt. Die Strategie müsse dann auch noch zu akzeptablen Kosten umgesetzt werden können. In verschiedenen Zukunftsszenarien stellte Boulouchos anschliessend mögliche Entwicklungen im Energiebereich vor. Das Szenario der ETH Zürich setzt auf die 3E's: Effizienz, Erneuerbare Energie und Elektrifizierung. „Die Umstellung der Energieinfrastruktur benötigt rund 50 Jahre. Wir müssen jetzt damit beginnen und den Dialog zu diesem Thema intensivieren“, betonte Boulouchos. Donald Tillman, Geschäftsführer der ETH Zürich Foundation, zeigte den Gästen, welche konkreten Projekte bereits durch Donatoren umgesetzt werden konnten und welche Pläne in der Zukunft verwirklicht werden sollen. Anschliessend stellten verschiedene Forscher ihre Klima-Projekte vor. Die Gäste nutzten die Chance und informierten sich aus erster Hand über die ETH-Forschung.

Gästestimmen

Für Nationalrätin Kathy Riklin war die Veranstaltung sehr informativ: „Hier erhielt ich kurz und prägnant viele Informationen. Vor dem Hintergrund, dass man immer weniger Zeit hat, ist dies die richtige Form. Es ist gut, dass die ETH in dieser Frage die Leadfunktion übernimmt.“ Tony Kaiser, Direktor Future Technology Alstom Schweiz, hat an der Studie mitgearbeitet. Für ihn ist der Dialog mit der Gesellschaft sehr wichtig: „Das Thema muss an die Öffentlichkeit. Bisher wurde immer zu eindimensional diskutiert. Es gibt einfach keine einfachen Lösungen. Hier mit der ETH und ihren Forschenden zu diskutieren, finde ich sehr gut.“ Markus Kägi, Regierungsrat des Kantons Zürich und Vorsteher der Baudirektion, ist von der Veranstaltung überzeugt: „Man trifft hier die richtigen Leute. Der Level an Informationen ist sehr gut. Auch als Nichtwissenschaftler erhält man viele Informationen: kurz, klar und verständlich.“

Position beziehen

Michael Kohn, Energy Consultant Economiesuisse, findet gut, dass die ETH ihre Energie-Strategie darlegt: „Es wird viel zu diesem Thema geredet. Bisher hiess es dann immer, die Hochschulen melden sich nicht zu Wort. Jetzt ist die Position klar. Die ETH Zürich hat ihre Aufgabe wahrgenommen und die Strategie einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.“ Anton Scherrer, Verwaltungsrats-Präsident der Swisscom, ist zuversichtlich, dass die gesteckten Ziele zusammen mit der Industrie umgesetzt werden können. „Ralph Eichler hat das Thema jetzt zur Präsidialsache gemacht, das ist wichtig. Das Interesse am Thema ist geweckt und ich bin sicher, dass die Klima-Projekte mit der Industrie realisiert werden können.“ Die Lokaltermine haben für Ralph Eichler eine wichtige Funktion: „Echte Forschungsergebnisse zu hochaktuellen Themen hier am Ort des Geschehens zu präsentieren, ist für mich sehr wichtig. Die ETH kann zeigen, dass sie ihre Aufgabe, Antworten auf gesellschaftspolitische Fragen zu geben, vollumfänglich wahrnimmt.“ Auch aus Sicht der ETH Zürich Foundation ist der Anlass der richtige Rahmen. „Unser Ziel ist es, Freunde der ETH Zürich und Donatoren für diese strategischen Initiativen zu begeistern. So können wir konkret zeigen, wie sie diese Projekte durch ihre Unterstützung beschleunigen können“, betont Donald Tillman, Geschäftsführer der ETH Zürich Foundation.

 
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