Veröffentlicht: 10.04.08
Fit in IT

Informatik zum Anfassen

Während der informatica08 ist die Roadshow „Fit in IT“ gestartet. In den kommenden Monaten macht sie an Gymnasien in der Deutschschweiz und der Romandie, Werbung für die Informatik.

Nicole Kasielke
In Bild und Ton informiert die Ausstellung über das Leben an der Hochschule.
In Bild und Ton informiert die Ausstellung über das Leben an der Hochschule. (Galerie)

Durch die Roadshow „Fit in IT“ soll den Schülerinnen und Schülern vor Ort die Gelegenheit gegeben werden mit Studierenden und Berufstätigen aus der Informatik zu diskutieren. In einer abwechslungsreichen Ausstellung, an der sich neben der ETH Zürich auch die EPFL und die anderen Schweizer Universitäten beteiligen, erfahren sie ausserdem mehr über Studium, Berufschancen und Anwendungsgebiete der Informatik und können selber Aufgaben lösen. Während des Eröffnungsevents am Mittwoch an der Universität Fribourg betonten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Bildung unisono, wie wichtig die Informatik für den weiteren wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz sei. Die Förderung des Informatiknachwuchs, insbesondere auch des weiblichen, sei für die Sicherung des Wirtschaftsstandort Schweiz unabdingbar.

Informatik in den Schulen etablieren

Isabelle Chassot, Staatsrätin und Präsidentin der EDK, erläuterte, dass es vermutlich ein Fehler gewesen sei, die Informatik 1993 nicht als eigenständiges Fach in der Schweiz einzuführen. Damals herrschte die Meinung vor, dass Informatik aufgrund ihrer vielfältigen Anwendungsgebiete am besten in verschiedenen Fächern abgedeckt würde. Seit letztem Jahr nun gibt es grünes Licht für die Mittelschulen, das eigenständige Ergänzungsfach Informatik einzuführen. Dieser Beschluss sei zu begrüssen, sagte Chassot. Prof. Jürg Kohlas, Vizepräsident der Hasler Stiftung, die die Roadshow finanziert, wies daraufhin, dass viele Mittelschulen heute nur auf die Anwendung der Technologie fokussierten statt auf das Fach Informatik. Dabei sei es wichtig, die Informatik als Grundlagenwissenschaft zu sehen. „Rechnen wird nicht mit Mathematik gleichgesetzt, und dies muss auch für Anwendungen der ICT und die Informatik gelten“, sagte Kohlas. Obwohl unsere Gesellschaft nach der Agrar- und der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft geworden ist, hat sich die Informatik nicht als Teil der Allgemeinbildung in den Köpfen verankert. „Informatik muss langfristig als Schwerpunktfach an den Gymnasien etabliert werden“, ist Kohlas überzeugt. Aber erstmal brauche es eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften, um überhaupt das neu geschaffene Ergänzungsfach Informatik in der richtigen Form an den Mittelschulen anbieten zu können. Diese Meinung vertritt auch Juraj Hromkovic, Professor für Informationstechnologie und Ausbildung an der ETH Zürich. Er und seine Gruppe bieten Lehrkräften deshalb bereits in einem Kompetenz- und Beratungszentrum für Informatikunterricht (KBZ) neben einer qualifizierten Aus- und Weiterbildung auch kostenlose Unterstützung bei der Gestaltung des Unterrichtes oder der Bereitstellung von Lehrmitteln an. Die Nachfrage ist vorhanden, in diesem Semester betreuen Hromkovic und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sechs Schulen, davon vier über das ganze Semester.

Informatik ist abwechslungsreich

Die Roadshow „Fit in IT“ soll Schülerinnen und Schülern einen Einblick in das Berufsleben von Informatikern und Informatikerinnen geben. Deshalb wird es neben der Ausstellung, durch die Studierende der ETH Zürich führen, Vorträge und Workshops geben, in denen Professoren und Hochschul-Alumnis von ihrer Arbeit erzählen. Einer davon ist Stephan Würmlin, der mit seinem Partner Christoph Niederberger, 2007 das ETH Spin-Off LiberoVision gegründet hat. Mit ihrer Technik ermöglichen sie Fernsehanstalten anhand der Kamerabilder aus dem Stadion, Kamerabewegungen zu simulieren. Spielsituationen können dadurch zur Analyse aus verschiedenen Perspektiven, zum Beispiel aus der Sicht des Torschützen oder der Vogelperspektive, betrachtet werden. Würmlins Motivation für ein Informatikstudium war die grosse Anwendungsvielfalt. „Zu Beginn meines Studiums an der ETH dachte ich noch an Flugkontrolle, Verkehrsleitsysteme oder auch das in der Schweiz allgegenwärtige Bankenwesen“, erzählte er. Dass er mit Anfang dreissig CEO eines kleinen Spin-Off Unternehmens sein würde, das es ihm ermöglicht seine Hobbies Sport und Film, mit seinem Beruf zu kombinieren, hätte er damals nicht gedacht.

Roadshow: FIT in IT

Die Roadshow Fit in IT ist eine Massnahme des Förderprogrammes FIT der Hasler Stiftung im Jahr der Informatik 2008. FIT hat zum Ziel, die Gymnasien im Rahmen ihres Bildungsauftrages bei der Etablierung eines attraktiven Informatikunterrichtes zu unterstützen. Dafür investiert die Hasler Stiftung in den kommenden zehn Jahren 20 Mio. Franken. Die Hasler Stiftung wurde 1948 vom Industriellen Gustav Hasler gegründet. Sie engagiert sich für die Förderung der Forschung und Bildung auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologien. Mehr zur Hasler Stiftung

 
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