Drei neue Professuren in Basel
Das Department of Biosystems Science and Engineering wird verstärkt: Martin Fussenegger, Andreas Hierlemann und Jörg Stelling verhelfen dem jüngsten Departement der ETH Zürich in Basel zur nötigen Grösse. Ausgebaut wird auch die Zusammenarbeit mit der Universität Basel.
Das Department of Biosystems Science and Engineering (D-BSSE) ist seit
2007 unter der Leitung von Professor Renato Paro als neue Forschungsplattform
für Systembiologie im Aufbau begriffen. Mit drei neuen Professuren am
Departement hat das D-BSSE nun einen weiteren Meilenstein erreicht. «Damit wird das Departement die kritische Masse erreichen, die
es braucht, um qualitativ und nachhaltig wachsen zu können», erklärte ETH-Präsident Ralph Eichler an einer gemeinsamen
Medienkonferenz mit der Universität Basel am Freitag.
Zusammenarbeit mit Uni Basel
Zukünftig werden die ETH Zürich und die Universität Basel in der Systembiologie enger zusammenarbeiten. Zu diesem Zweck sind mehrere Doppelprofessuren und gemeinsame Projekte in Forschung und Lehre geplant. An der Universität Basel wird eine Professur für Bioethik eingerichtet und bis zum Herbstsemester 2008 soll auch der ETH-Studiengang Biotechnologie von Zürich nach Basel umziehen. Neben den bereits vorhandenen Bereichen Bioinformatik und System Engineering wird neu der Bereich Synthetische Biologie in Basel etabliert – ein Fachbereich in welchem Biologen, Chemiker, Physiker, Informatiker und Ingenieure gemeinsam neuartige biologische Systeme konstruieren.
Hochkarätige Verstärkung
Zur Verstärkung der Forschungsaktivitäten am D-BSSE werden neu folgende Professoren mit Ihren Forschungsgruppen beitragen:
Martin Fussenegger, 1968 in Basel geboren, studierte Mikrobiologie und molekulare Genetik am Biozentrum der Universität Basel und verfasste seine Dissertation 1994 auf dem Gebiet der medizinischen Mikrobiologie am Max-Planck-Institut für Biologie. Nach einem Postdoktorat begann er 1996 mit Unterstützung von James E. Bailey an der ETH Zürich mit dem Aufbau seiner eigenen Forschungsgruppe. 1998 war er Mitgründer der Firma „Cistronics Cell Technology GmbH“. Vier Jahre später folgte seine Auszeichnung mit einer Förderprofessur des Schweizerischen Nationalfonds. 2004 wurde er zum ausserordentlichen Professor für Biotechnologie und Bioingenieurwissenschaften am Institut für Chemie- und Bioingenieurwissenschaften der ETH Zürich gewählt, welchem er seit 2006 vorsteht. Seit 2008 ist er ordentlicher Professor. Fussenegger ist Autor von über 165 wissenschaftlichen Publikationen, Inhaber von mehreren Patenten und Mitherausgeber der Buchserie „Cell Engineering“ sowie der Fachzeitschrift „Biotechnology and Bioengineering“. Er ist Vizepräsident der „European Society of Animal Cell Technology“ (ESACT) und Mitglied des „American Institute for Medical and Biological Engineering“.
Martin Fussenegger wird als stellvertretender Departementschef des D-BSSE Renato Paro bei der strategischen Orientierung und dem Anwerben von weiteren internationalen Forschungsspezialisten unterstützen. Ab Februar 2009 wird er Paros Cheffunktion übernehmen. Zusätzlich wird er den von ihm konzipierten Studiengang Biotechnologie der ETH Zürich in Kooperation mit der Universität Basel an das D-BSSE bringen. Er freut sich am „einzigartigen Projekt“ des Aufbaus eines interdisziplinären Departements beteiligt zu sein und schätzt die zukünftige Nähe zur Basler Pharmaindustrie. Doch nicht nur das: „Natürlich freue ich mich als gebürtiger Basler besonders, in die Rheinstadt zurückzukehren“, sagt Fussenegger.
Andreas Hierlemann, 1964 in Ochsenhausen geboren, absolvierte ein Chemiestudium an der Eberhard-Karls Universität in Tübingen und promovierte dort 1996 in Physikalischer Chemie. Danach folgten zwei Postdoc-Aufenthalte an der Texas A&M University und an den Sandia National Laboratories in Albuquerque, New Mexico. Von 1999 an arbeitete Hierlemann als Leiter eines Forschungsteams im Departement Physik der ETH Zürich, wo er 2004 zum ausserordentlichen Professor für Mikrosensorik ernannt wurde. Seither leitet er das Physical Electronics Laboratory, wo er 15 Mitarbeiter betreut, und unterhält ein Lehrpensum in Mikrotechnologie. Seine Forschungstätigkeit umfasst chemische und biologische Mikrosensoren und die Ankopplung von Zellen, wie zum Beispiel Neuronen, an Mikroelektronikchips. Bereits dreimal waren Hierlemann und sein Team Preisträger des Swiss Technology Award. Das letzte Mal 2007 für einen Mikrosensor zur kontinuierlichen, nicht invasiven Blutdruckmessung.
Am D-BSSE wird Hierlemann Professor für Biosystems Engineering. Er schätzt die persönliche Langzeitperspektive an der ETH, welche durch seine Berufung an das D-BSSE gegeben ist und die Möglichkeit “Wissenschaft aktiv zu gestalten”. Als grösste persönliche Herausforderung, sieht er die Sicherung eines permanenten, interdisziplinären Ideenaustauschs “Gruppen übergreifend im gesamten neuen Departement ”.
Jörg Stelling wurde 1969 in Hildesheim geboren. Von 1989 bis 1996 studierte er Biotechnologie an der Technischen Universität Braunschweig, mit einem Auslandaufenthalt an der Ecole Normal Supérieure d'Agronomie in Montpellier. Danach war er Doktorand am Institut für Systemdynamik und Regelungstechnik der Universität Stuttgart, bevor er 1998 einer der ersten Mitarbeiter des neu gegründeten Max-Planck-Instituts für Dynamik komplexer technischer Systeme in Magdeburg wurde. Dort war Stelling massgeblich am Aufbau des Bereichs Systembiologie beteiligt. 2004 promovierte er über die Analyse von Robustheit in komplexen biologischen Netzwerken an der Fakultät für Maschinenbau der Universität Stuttgart. Seit 2005 ist er Assistenzprofessor für Bioinformatik am Institute of Computational Science (ICOS) der ETH Zürich.
Jörg Stellings Forschungsinteressen liegen im Bereich der Analyse und
Synthese biologischer Netzwerke. Mit Hilfe und durch Weiterentwicklung von
Methoden aus der Systemtheorie und der Informatik studiert seine Gruppe
Mechanismen der Zell- und Genregulation, der Signalweitergabe und des
Stoffwechsels. Stelling arbeitet seit zwei Jahren eng mit Martin Fusseneggers
Gruppe zusammen und wird als Professor
für Computational Systems Biology das D-BSSE vor allem
theoretisch und durch die Entwicklung von neuen Algorithmen unterstützen. Er
freut sich aber zugleich darauf, seine Gruppe bald auch um eine experimentelle
Komponente der Systembiologie und Synthetischen Biologie zu erweitern.
D-BSSE
Das Departement Biosystems Science and Engineering (D-BSSE) ist aus dem Zentrum für Biosysteme in Basel hervorgegangen, welches unter anderem von den beiden Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt eine Anschubfinanzierung erhielt. Seit 2007 ist es ein ETH-Departement und wird nun von heute drei auf sechs Professuren ausgebaut. Damit werden rund 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Basler ETH-Standort arbeiten. Das D-BSSE beteiligt sich wesentlich an der schweizweiten Forschungsinitiative in Systembiologie SystemsX.ch.
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