Gemeinsam „eingebettete“ Software entwickeln
Die ETH Zürich, die EPFL und Microsoft Schweiz wollen im Bereich „Embedded Software“ zusammenarbeiten. Zu diesem Zweck wird ein vorerst auf fünf Jahre angelegtes Forschungsprogramm lanciert, wie Vertreter der beiden technischen Hochschulen und des Industriepartners gestern in Bern vor den Medien erklärten.
Das Forschungsprogramm läuft unter dem Titel „Microsoft Innovation Cluster for Embedded Software“ (ICES) und sieht die Entwicklung von entsprechender Software und Prototypen vor. Microsoft will nach eigenen Angaben im ersten Jahr bis zu 1 Mio. Schweizer Franken in die Projektausschreibung investieren und für die weitere Dauer des Programms sind Investitionen in vergleichbarer Höhe vorgesehen, wie Peter Waser, General Manager von Microsoft Schweiz, in Aussicht stellte.
Startschuss im Herbst
Die fortschreitende Miniaturisierung von Prozessoren, Sensoren,
Speichern und Kommunikationsmodulen erlaubt es, sie in Gegenstände aller Art
einzubetten (=to embed). Schon heute steckt in vielen Anwendungen des Alltags intelligente
Software, ohne dass sie für den Anwender sichtbar ist. Gemäss Zahlen aus dem
Jahre 2005 wurden von insgesamt 9 Milliarden Prozessoren lediglich 200
Millionen für Computer im engeren Sinn verwendet. Die meisten Prozessoren
wurden in von „embedded Software“ gesteuerte Anwendungen eingebaut. Für
sicherheitskritische Systeme (zum Beispiel Medizinische Überwachung von
Körperfunktionen) müsse die Software zuverlässiger werden, was weitere Forschung
notwendig mache, betont Prof. Jürg Gutknecht, Vorsteher des Departements
Informatik.
Jürg Gutknecht ist Mitglied des fünfköpfigen
Steuerungsausschusses, der über die Vergabe der Projektgelder entscheidet. Für
die EPFL sitzt Prof. Willy Zwaenepoel, Vorsteher der Fakultät für Informations-
und Kommunikationswissenschaften, im Gremium. Das ICES-Projekt soll noch diesen
Herbst starten, bis Anfang Juli will man die ersten Projekte ausgewählt haben.
Es seien verschiedenste Forschungsprojekte unter ICES denkbar, von der Doktoratsarbeit
bis hin zu gemeinsamen Aktivitäten der beiden Hochschulen mit Industriepartnern,
so Zwaenepoel. Was die Frage des geistigen Eigentums angeht, so wollen die
Projektpartner angesichts der Vielfalt förderungswürdiger Projekte von Fall zu
Fall entscheiden.
Informatikstudium attraktiver machen
Verbunden mit dem Forschungsprogramm ist
nicht nur die Hoffnung, neue Software zu entwickeln, die sich dann irgendwann
in besseren und intelligenteren Produkten niederschlägt. Vor dem Hintergrund
des allseits beklagten Mangels an IT-Spezialisten und den Schwierigkeiten, mit
denen die Hochschulen hierzulande kämpfen, Studierende für Informatik zu
interessieren, könne die ICES-Initiative mithelfen, das Informatikstudium
wieder attraktiver zu machen, betonten die Präsidenten den beiden ETH, Prof. Ralph
Eichler und Prof. Patrick Aebischer.
Nach Angaben von Microsoft ist es durchaus denkbar,
die Forschungsinitiative auszuweiten. Insbesondere sei man offen, auch weitere
universitäre Partner wie auch Industriepartner in die Initiative aufzunehmen,
erklärte Microsoft-Chef Peter Waser. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich das
nun initiierte Modell der Zusammenarbeit zwischen den beiden ETH und Microsoft bewährt
und auf weitere Partner ausgedehnt werden soll.
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