Mutlos und kontraproduktiv
Da haben wir den totalen ETH-Kommunikationsgau. Die NZZ am Sonntag schreibt: "Energiesparen ist out" (2. März 2008). Jahrelange Bemühungen, der Öffentlichkeit mit der 2000-Watt-Gesellschaft ein klares Energiespar-Ziel zu kommunizieren, sind im Abfallkorb gelandet.
Und was beinhaltet diese "neue" Energiestrategie? Neben Unbestrittenem viel Kurzsichtigkeit und rückwärtsgewandtes Vertrauen auf Kernenergie und CO2-Sequestrierung. Und das Fernziel von 1 Tonne CO2 in 2100. Das ist richtig mutlos! Visionär wäre es, im Jahr 2050 null Tonnen CO2 zu produzieren (netto), und voll auf Wind, Biomasse, und Sonnenenergie zu setzen.
Folgendes möchte ich gerne wissen: Wie kam die ETH-Energiestrategie zustande? Gab es überhaupt eine Vernehmlassung? Worauf basiert sie – auf Prognosen, auf technischer Machbarkeit? Oder auf den persönlichen Interessen der beteiligten Professoren?
Zum leidigen Thema Kernenergie:
Neue AKW werden frühestens in 20 Jahren verfügbar sein. Dann werden die erneuerbaren Energien konkurrenzlos billig sein. Uran steht längerfristig nicht ausreichend zu Verfügung, sogar wenn keine AKW dazugebaut werden. 45 Prozent des heutigen Verbrauchs wird gedeckt von ausrangierten Kernwaffen. Diese Quelle wird im Jahr 2015 erschöpft sein. Dazu kommt die ungelöste Frage der Entsorgung.
Und zum noch leidigeren Thema fossile Brennstoffe:
CO2-Sequestrierung verteuert Energie aus fossilen Brennstoffen. Erdöl kostet jetzt schon über 100 Dollar pro Fass, Steinkohle kostet doppelt soviel wie vor einem Jahr, und Russland schliesst mal wieder die Erdgasleitungen. Fossile Brennstoffe geben keine Planungssicherheit: Wer wird in 20 Jahren verlässlich liefern?
Also wird die ETH in einigen Jahren wohl stolz Ihre Errungenschaften an überholten, museumsreifen Technologien präsentieren. Schade!
Jan van Beilen - 04.03.08
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