2000-Watt- und 1-Tonne-CO2-Gesellschaft ziehen am gleichen Strick
Das Energy Science Center der ETH Zürich hat am 25. Februar der Öffentlichkeit seine Energiestrategie präsentiert. Diese stellt die Klimafrage und damit die Reduktion der CO2-Emissionen ins Zentrum. Die ebenfalls im ETH-Bereich verfolgte Strategie der „2000-Watt-Gesellschaft“ will primär den Energieverbrauch senken, führt dabei aber die CO2-Reduktion als wichtige Zielgrösse mit. Da und dort ist der Eindruck entstanden, zwischen den beiden Strategien bestünden grundlegende Divergenzen.
Gleiche Zielrichtung
Es ist heute unbestritten, dass sowohl der Energie-Verbrauch als auch der CO2-Ausstoss massiv zu senken sind. Mit der Energiereduktion sollen Antworten auf die Begrenztheit und die Verknappung der Energie-Ressourcen gefunden und damit nicht zuletzt gravierende Versorgungskrisen vermieden werden. Der Anstieg des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre muss soweit gebremst werden, dass der Klimawandel in Grenzen gehalten wird und kein katastrophales Ausmass annimmt. Die Energie- und die CO2-Frage bilden je für sich zentral wichtige Zukunftsherausforderungen, sind aber gegenseitig eng verknüpft. Die zu treffenden Massnahmen überschneiden sich in weiten Bereichen und müssen Hand in Hand entwickelt werden.
Absolut vorrangig ist es, die Verwendung fossiler Energien massiv zu senken. Dies geschieht durch konsequente Steigerung der Energieeffizienz in allen Verbrauchsbereichen sowie durch verstärkte Substitution der fossilen Energie durch CO2-neutrale oder CO2-arme Energien. Damit ist die Gesellschaft gefordert, die Nutzung der erneuerbaren Energien massiv auszubauen. Bei allen zu ergreifenden Effizienz-, Substitutions- und Förderungs-Massnahmen ist die Wirkung sowohl auf den Energieverbrauch als auch auf den CO2-Ausstoss in Rechnung zu stellen. Es liegt also in der Natur der Problemstellungen, dass getrennte Wege nicht möglich sind, sondern nur eine gemeinsame „Energie- plus CO2-Reduktions-Strategie“. Die Visionen einer „2000-Watt-Gesellschaft“ und einer „1-Tonne- CO2-Gesellschaft“ sind in den nächsten 20 Jahren keine Konkurrenten, sondern Teile des Bestrebens für eine insgesamt nachhaltige Entwicklung. Langfristig setzen die beiden Strategien unterschiedliche Prioritäten: umfassende Reduktion des Gesamtenergieverbrauchs resp. forcierte Reduktion des CO2-Ausstosses zur Erreichung der Klimaziele. Es wird eine der grossen Aufgaben der kommenden Jahre sein, die Strategien der nachhaltigen Entwicklung weiter zu entwickeln und dabei unterschiedliche Zielvorstellungen gegenseitig abzustimmen.
Projekt "Novatlantis"
Im ETH-Bereich wird in Forschung und Entwicklung sehr viel geleistet, um Antworten auf die Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung zu finden. Damit die dabei gewonnen Erkenntnisse und Technologien nutzbringend angewendet und verbreitet werden können, wurde vor acht Jahren das Projekt "Novatlantis" ins Leben gerufen. Novatlantis wird von den beiden ETH in Zürich und Lausanne und den vier Forschungsanstalten gemeinsam getragen und nutzt Wissen aus der Forschung im ETH-Bereich, um konkrete Schritte für nachhaltiges Handeln zu realisieren. Im Vordergrund stehen Ressourcen schonende Technologien, die zusammen mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Behörden und Politik eingesetzt und verbreitet werden. Besondere Aufmerksamkeit erfährt der sorgfältige Umgang mit Energie. Hier orientiert sich Novatlantis an der Vision einer 2000-Watt-Gesellschaft. Diese steht als Metapher für die Zielsetzung, eine zukunftsorientierte Entwicklung unserer Gesellschaft bei deutlich reduziertem Energieeinsatz und drastisch reduzierten CO2-Emissionen zu ermöglichen.
Ulrich Bundi, Präsident Steuerungsausschuss Novatlantis - 10.03.08
LESERKOMMENTARE