Mehr als nur Kuckucks-Uhren
Welche Geschäftsideen werden die Schweizer Industrie von morgen beleben? Eine multifunktionale, muskelähnliche Linse, ein biologischer Nährboden mit erhöhtem Wohlfühlfaktor für Zellkulturen oder ein Handy mit integriertem Videobeamer? Im Rahmen des Businessplan-Wettbewerbs Venture 08 wurden am vergangenen Donnerstag die zehn innovativsten und aussichtsreichsten Geschäftsideen prämiert.
Orson Welles berühmtes Zitat, wonach die Schweiz trotz brüderlicher Liebe und 500 Jahren Demokratie nichts als die Kuckucksuhr hervorgebracht habe, durfte an diesem Abend durchaus hinterfragt werden. Was die zehn Gewinnerteams des Venture Geschäftsideen-Wettbewerbs am vergangenen Donnerstag im Audimax an der ETH Zürich an Ideen präsentierten, bewies, dass die Schweiz punkto Innovation einiges zu bieten hat. Die Gewinnerprämierung war der Abschluss des ersten Teils eines gesamtschweizerischen Businessplan-Wettbewerbs, der von der ETH Zürich und McKinsey&Company alle zwei Jahre zur Unterstützung von Jungunternehmern organisiert wird.
222 Geschäftsideen waren bei Venture zwischen Oktober und Dezember 2007 eingegangen. Die zehn, welche laut Juroren am meisten Erfolg versprachen, durften sich vor versammelter Prominenz der führenden Schweizer Wirtschaftsunternehmen am vergangenen Donnerstag kurz vorstellen und einen Check von 2'500 Franken in Empfang nehmen. Der Vizepräsident Forschung der ETH Zürich, Peter Chen, eröffnete den Abend. Er dürfte sich vor allem an den 41 eingereichten Geschäftsideen aus der ETH Zürich und weiteren 32 aus der EPFL gefreut haben. Keine anderen Hochschulen machten mehr Eingaben. Auch bei den Gewinnern schnitten die beiden ETH mit je vier Siegerteams gut ab.
Life Sciences dominieren
Gleich fünf der prämierten Geschäftsideen stammten aus dem Umfeld der Bio- und Medizinaltechnologie. Das Jungunternehmen HelvaLab zum Beispiel hat eine neue Generation von Zellkulturen entwickelt, deren Oberfläche den menschlichen Körper punkto Viskosität und Elastik bestmöglich imitiert. Das Ergebnis: Die Zellen fühlen sich „wie zuhause“, was zu homogeneren Zellpopulationen und höheren Ausbeuten bei deren Produktion führt. Das Team erhielt seinen Preis von Franz B. Humer verliehen, CEO des Pharmakonzerns Roche. Er ermunterte die Jungunternehmer zum hartnäckigen Weiterentwickeln ihrer Idee und spielte darauf an, dass seine Firma vor drei Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag für den Biotechnologie-Start-up GlycArt bezahlt hat, der im Jahr 2000 am Venture-Wettbewerb entdeckt worden war.
Nicht weniger Erfolg versprechend hörte sich die Idee der Aleva Neurotherapeutics an. Die drei Jungunternehmer haben Mikroelektroden entwickelt, welche die Therapie von Gehirnkrankheiten, darunter auch Parkinson, revolutionieren sollen. Mit dem Verfahren der so genannten „Deep Brain Stimulation“ werden mit feinen elektrischen Impulsen bestimmte Hirnareale angeregt und damit eine Genesung beschleunigt. Die implantierbaren Mikrochips sind 30 Mal kleiner als bisherige vergleichbare Produkte und sollen in drei bis fünf Jahren erstmal an Patienten getestet werden.
Eine visionäre Technologie im Bereich der Optik präsentierte das Unternehmen Optotune. Mit Polymeren, die durch Anlegen einer elektrischen Spannung formbar sind, sollen multifunktionale optische Systeme gebaut werden. Pate für das Projekt stand das menschliche Auge, das seine Brennweite ebenfalls durch Elastizität den Anforderungen der Umgebung anpassen kann. Einsatzmöglichkeiten sieht das Team sowohl in der Endoskopie und Mikroskopie, als auch im Bereich von Kameraobjektiven bis hin zu Hochleistungs-Minilinsen in mobilen Telefonen. Wie Teamleader Manuel Aschwanden erklärte, wurde die Technologie bereits patentiert und die einzigen Hürden, die einem Durchbruch nun noch im Wege stünden, seien geschäftlicher Natur. Nicht minder optimistisch ist auch das Unternehmen Scanlight: Mit ihren Mikro-Videoprojektoren könnte das Handy-Fernsehen attraktiver werden. Fussballspiele oder Power Point-Präsentationen könnten so zu jeder Zeit bis zum einem Format von A4 auf einer x-beliebigen Oberfläche mittels dem Handyprojektor angeschaut werden, ist Teamleader Nicolas Abelé überzeugt.
Zweite Runde: Der Businessplan
Ulf Berg, Verwaltungsratspräsident der Sulzer AG und einer der Coaches, welche die Start-up Teams während des Wettbewerbs fachlich betreuen, zeigte sich sehr erfreut über das Potenzial der präsentierten Ideen. Er betonte aber auch, dass eine Idee alleine noch keinen Gewinn bringe. Ein sauberer Businessplan und eine ausgeglichene Finanzierungsstrategie seien für den Erfolg eines Unternehmens ebenso wichtig.
Deshalb wird im zweiten Teil des Wettbewerbs auch der beste Businessplan ausgezeichnet. Bis am 2. April 2008 können Jungunternehmer, unabhängig von der ersten Runde, ihren Businessplan einreichen. Bis Anfang Mai werden dann von der Jury wiederum zehn Siegerteams auserkoren. An Anreizen zum Mitmachen fehlt es nicht: 60'000 Franken und viel Beachtung von Seiten der Medien und Wirtschaft warten auf das Siegerteam, insgesamt 65'000 Franken auf die Zweit- bis Fünftplazierten.
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