Veröffentlicht: 18.09.07
Studienwochen für Gymnasiasten an der ETH

Mathematik ist überall

Die ETH Zürich unternimmt verschiedene Anstrengungen, mit Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu treten und diese für ein Studium an der renommierten Hochschule zu motivieren. Auf besonders anschauliche Art geschieht dies während der Studienwoche, die dieses Jahr bereits zum zehnten Mal stattfand. Über 100 angehende Maturandinnen und Maturanden nahmen die Gelegenheit wahr, ETH-Luft zu schnuppern und mit Forschenden ein konkretes Projekt zu bearbeiten. Am 14. September 2007 präsentierten sie ihre Resultate.

Roland Baumann
Eine Gymnasiastin präsentiert zum Abschluss der Studienwoche ein Fulleren.
Eine Gymnasiastin präsentiert zum Abschluss der Studienwoche ein Fulleren. (Galerie)

Mit über 100 Teilnehmenden verzeichnete die diesjährige Studienwoche einen neuen Teilnehmerrekord. Oder war es eher ein Teilnehmerinnen-Rekord? Mit Freude stellte nämlich ETH-Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach in ihren Begrüssungsworten zur Abschlussfeier der Studienwoche fest, dass dieses Jahr fast gleich viele Gymnasiastinnen wie Gymnasiasten an der ETH zu Gast waren.

Die ETH sei schon immer ein Ort gewesen, der Frauen gegenüber offen war; sie habe sich bereits während ihres Biologiestudiums sehr wohl gefühlt, als die Frauen rund 25 bis 30 Prozent ausmachten.

„Wage den Blick über den Tellerrand …

… und entdecke die vernetzte Welt der modernen Lebensmittelproduktion“ lautete der Leitspruch einer ersten Gruppe, die sich am Departement der Agrar- und Lebensmittelwissenschaften mit Pommes Chips- und Käseproduktion auseinandergesetzt hat. Der Besuch eines Biobauernhofes stand ebenso auf dem Programm wie die Besichtigung der Chips-Produktionsstätte der Migros und der Züger Frischkäse AG. Die entsprechenden Lebensmittel konnten die Schülerinnen und Schüler schliesslich gleich selbst produzieren. Stolz präsentierten sie ihre Chips und ihr Käse; beides wurde im Anschluss an die Präsentationen bei einer Degustation angeboten. Hat der Käse, der mit Kälberlab hergestellt worden ist, tatsächlich etwas natürlicher geschmeckt als jener, der mit Gentechlab produziert wurde?

Mathematik ist überall

Eine zweite Gruppe hätte dieser Frage vielleicht mittels Mathematik nachgehen können. Sie stellte im Laufe der Woche nämlich fest, dass sich Mathematik auf ganz viele Fragen anwenden lässt. Die Maturandinnen und Maturanden haben sich unter anderem intensiv mit der Frage beschäftigt, ob es möglich ist, aus Sechsecken ein kugelförmiges Molekül zu bilden. Im Laufe ihrer Überlegungen stiessen die jungen Forschenden auf einen Satz von Euler und auf ein Molekül namens Fulleren, das wie Diamant und Graphit nur aus Kohlenstoffatomen besteht und das die gleiche Struktur hat wie ein Fussball.

Dating for Nerds

Die "Informatiker" beschäftigten sich mit Algorithmen und widmeten sich einer ganz praktischen Frage: Auf welche Art und Weise gehe ich eine Person an, von der ich wissen will, ob sie mir zugetan ist, ohne bei einem "Nein" mein Gesicht zu verlieren? Gibt es eine Möglichkeit, eine Frage zu stellen, ohne direkt zu fragen? Die Jungforschenden erkannten ein kryptographisches Problem, das sie mittels Verschlüsselungstechnik lösten. Eine Nachricht wird nur bei Übereinstimmung der Gefühle abgesetzt. Daneben schrieben die Teilnehmenden des Informatik-Projektes Programme, die sich selber aufrufen und mit denen sich Fraktale zeichnen lassen: Komplexe Muster, die aus mehreren verkleinerten Formen ihrer selbst bestehen. In ihrer Ästhetik kommen Fraktale als kleine digitale Kunstwerke daher, die man vielleicht der angebeteten Person schenken kann, sofern in Schritt eins eine Nachricht erfolgt ist.

Mit viel Engagement waren auch die Gruppen in den Departementen Erdwissenschaften sowie Informationstechnologie und Elektrotechnik an der Arbeit. Während die einen den Grund des Zürichsees erforschten, konstruierten die anderenden "Solar Climber", ein Modell für einen Weltraumlift. Beide Projekte waren schon in früheren Jahren im Angebot der Studienwoche.

 
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