Wie bunte Schildkröten laufen lernen
In der zweiten Augustwoche brachte eine Gruppe von Primarschülern Leben ins recht ausgestorben wirkende CAB. An fünf Nachmittagen lernten 25 Zürcher Primarschüler im Rahmen des Ferienpass-Programms mit der kindgerechten Sprache „Logo“ die Grundlagen der Programmierkunst kennen.
Spielerische Einführung in die Welt des Programmierens
„Schildi, du sollst doch ein Quadrat laufen und nicht ein Zick-Zack, du komisches Viech!“, kichert der neunjährige Sandro. Ein geduldiger Assistent eilt herbei und gibt Hilfestellung, damit das störrische Reptil auf dem Bildschirm endlich das tut, was es soll. Die Herausforderung bei der Programmiersprache Logo besteht darin, eine Schildkröte durch Befehlseingaben so zu bewegen, dass sie eine Spur mit geometrischen Figuren hinterlässt, wie beispielsweise Treppen, Kreise und sogar Schneeflocken und Mandalas. Der Kurs gibt den Kinders auf spielerische Weise einen Einblick in die Welt des Programmierens und lehrt sie, Befehlsfolgen zu planen und logisch zu denken.
In Zweierteams sitzen die Kleinen am Rechner, den selbst die achtjährigen mit einer verblüffenden Selbstverständlichkeit bedienen. „Man hat den Eindruck, dass die Kinder heutzutage mit der Tastatur zur Welt kommen. Vor einigen Jahren waren Primarschüler längst nicht so gut im Umgang mit dem Computer“, erzählt Kursleiter Giovanni Serafini von der Professur für Informationstechnologie und Ausbildung.
Jeder löst die Aufgaben in seinem Rhythmus
Linus ist mit seinen neun Jahren schon ein richtiger Fachmann und bezeichnet sich selbst als „computerinteressierten Menschen“. Er hat sich Logo sofort am ersten Kurstag für Zuhause herunter geladen und ist den anderen ein wenig voraus mit den Übungsaufgaben. Lektion 4, in der es um das Zeichnen von regelmässigen Vielecken und Kreisen geht, hat er locker übersprungen und ist gleich zu den Programmen mit Parametern in Lektion 5 übergegangen. Er hat schliesslich seine eigenen Methoden und weiss, dass mehrere Wege zum Ziel führen. „Am Schluss musst du „end“ schreiben“, erklärt er seinem Freund Patrick, „dann können wir testen, ob alles klappt!“. Natürlich hat er auch schon längst herausgefunden, dass man statt der bunten Schildkröten auch einen knallroten Drachen ins „geometrische Rennen“ schicken kann.
Hugo ist acht und darf jeden Tag etwa eine Stunde zu Hause am Computer sitzen. Er findet die „Muster, wo noch was drin ist“, wie Blüten und Mandalas am Interessantesten. Auch die englischen Begriffe beherrscht er bereits: „Lt steht für left turn, das heisst, dass sich die Schildkröte nach links dreht“, kommentiert er den Code im Editor. Die 10-jährige Noema, eines der wenigen Mädchen im Kurs, und ihr Teamkollege haben dagegen noch etwas Mühe, mit der Rechtschreibung des Befehls „repeat“. Doch nach einigen Anläufen klappt es bestens: „Jetzt habe ich’s raus“, freut sie sich.
Informatik an den Schulen etablieren
Informatik wird es zwar demnächst als Ergänzungsfach an Gymnasien geben, aber von der Einführung als eigenständiges Schulfach ist man noch weit entfernt. An der Professur für Informationstechnologie und Ausbildung hat man jedoch schon lange erkannt, dass schon die ganz Kleinen die Grundkonzepte des Programmierens erlernen können, da sie ganz unbefangen und mit Feuereifer dabei sind: Informatik-Professor Juraj Hromkovic, der die „Open Class“-Vorlesungsreihen für jedermann ins Leben gerufen hat, veranstaltet regelmässig Programmierkurse für Primarschüler und gibt Informatikunterricht an Mittelschulen. Zudem schreibt er gerade an mehreren Lehrbüchern für den Schulunterreicht, darunter auch eines zum Programmieren mit Logo für Primarschüler.
Zum Abschluss ein Diplom
Am letzten Nachmittag fand schliesslich die Siegerehrung des kleinen Programmierwettbewerbs vom Vortag statt. Die drei besten Teams wurden mit Memorysticks belohnt. Doch da dabei sein ja bekanntlich alles ist, ging keiner der kleinen Kursteilnehmer leer aus: Neben einem Buch und ETH-Kugelschreibern durfte jeder ein hübsches Diplom, unterschrieben von Juraj Hromkovic mit nach Hause nehmen.
Kursleiter Serafini ist sehr zufrieden mit dem Kurs und würde gerne im nächsten Sommer wieder eine Programmierwoche dieser Art anbieten: „Das Ferienprogramm ist ein wichtiger Kanal für uns, um Kinder aus verschiedenen Schulen zu erreichen. So begeistert wie die Schüler waren, kann ich mir gut vorstellen, dass sie bei ihren Klassenkameraden Werbung für uns machen werden.“
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